8 im Glück-Abenteuer Großfamilie

8 im Glück-Abenteuer Großfamilie

Mama ,Papa und 8 Kinder- Leben in der Großfamilie

Einleitung

Lisa ist 31 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich. Sich selbst beschreibt sie als Freigeist und ordentliche Chaotin. Aber vor Allem ist sie mit Herz und Seele Mama. Achtfache Mama! Und schon allein diese Tatsache sorgt bei ihrer Umwelt oft für Bewunderung, manchmal auch für Kopfschütteln und Unverständnis. Über das Leben in der Großfamilie gibt es viele Klischees und Vorurteile. Doch wenn man sie so sieht und reden hört, merkt man schnell: In dieser Familie gibt es von allem sehr viel. Vor allem Liebe.

„Ich war jahrelang nicht glücklich, war leer und orientierungslos, immer auf der Hetzjagd nach echten Emotionen. Höher schneller,weiter. Ich war wie ein ausgebranntes Stück Natur nach einem Waldbrand. Mit Finn begann langsam neues Moos zu wachsen, mit Oskar streckten die ersten zarten Pflänzchen ihre Köpfe aus der Erde und mit Emil begannen sie zu blühen. Mit den Zwillingen flogen die ersten Schmetterlinge und mit Adam zog der Frühling ein. Mit Frieda wuchsen riesige Apfelbäume und Ottis Ankunft ließ das Obst saftig und reif werden. Aus dem ehemaligen Brachland wurde ein blühender Garten. Mein Seelengarten“ (Lisa, Instagram @8_im_Glück)

Foto: Karolina Horner, @kalinkaphoto

 

Der Anfang- eins und eins macht zehn

Frau Kakao: Lisa ich freue mich sehr, dass du die Zeit gefunden hast, mir ein paar Fragen zu beantworten. Beschreibe euch doch mal kurz.

Lisa:

Bin Lisa und meine Kinder heißen Finn, Oskar, Emil, Anton, Greta, Adam, Frieda und Lieselotte. Die Jüngste ist 4 Monate alt, der Älteste ist zehn. Wir leben mit meinem Mann Johannes zu zehnt auf dem Land in einem eigenen Haus, das etwa 150 Quadratmeter groß ist und das wir selbst umgebaut haben. Unser Leben ist laut bunt chaotisch aber auch sehr erfüllend.

Frau Kakao: War das von Anfang an dein Ziel, mal eine so große Familie zu haben?

Lisa:

Die vielen Kinder waren so eigentlich gar nicht geplant, aber erwünscht. Oft kam das nächste schon während der Stillzeit. Wir waren relativ schnell zu viert, da war Emil vielleicht sieben oder acht Monate alt. Als die Zwillinge kamen, haben wir erst ein bisschen gehadert damit aber dann wurde es mit jedem Kind einfacher und auch immer schöner. Und darum sind wir irgendwann so viele geworden. (sie lacht)

Frau Kakao: Einfacher? Da reißen jetzt sicherlich viele Mamas erstaunt die Augen auf.

Lisa:

Ich habe oft Freundinnen da mit zwei Kindern, die können sich keine drei Minuten unterhalten, während ich ganz entspannt da sitze. Weil meine Kinder eben auch so viel gemeinsam machen. Die fangen sich da gegenseitig auf.

Frau Kakao: Das klingt alles sehr harmonisch. Und wenn man Euch so sieht, hat man auch sofort das Gefühl, dass da sehr viel Zuneigung und Harmonie herrscht. Wie erziehst du so? Was ist dein Geheimrezept?

 

Das “Erziehungsmodell”

Lisa:

Wir leben bedürfnisorientiert, also sehr gleichberechtigt. Es gibt Dinge, die mir wichtig sind. Meine Kinder werden begleitet aber es gibt auch Regeln, wie das Zähneputzen, die mir wichtig sind.

Wir “erziehen” eher durch Vorleben. Ich bin ein sehr freundlicher und ich glaube auch sehr höflicher Mensch.

Ich glaube, dass die Kinder durch Vorleben lernen. Wie die Eltern miteinander umgehen. Auch wie mit ihnen umgegangen wird. Und ich glaube, wenn mit Kindern gut umgegangen wird, können sie gar nicht anders, als liebevoll sein.

Ich habe sie auch früher nur getragen und die haben auch sehr lange bei uns im Familienbett geschlafen.

Ich habe mal das Buch gelesen „Auf der Suche nach dem verlorenen Kind“. Da wurde ein Indianerstamm im Amazonas befragt, warum die Erwachsenen so ausgeglichen sind. Und sie haben rausgefunden, dass es so ist, weil sie als Kinder so gut behandelt wurden, sprich viel Körperkontakt, viel tragen, die Erwachsenen haben ihnen vertraut.

Ich denke, das hat viel Einfluss, wie mit Kindern schon in jungen Jahren umgegangen wird. Es gibt auch Studien, dass viele Babys, die schreien gelassen werden später psychische Störungen haben. Viele tragen einfach einen Schaden davon. Nicht alle aber einige.

Die Aufmerksamkeit

Frau Kakao: Auch ein beliebtes Vorurteil, “bei so vielen Kindern kommt doch immer jemand zu kurz”. Ist das tatsächlich so?

Lisa:

Mein Mann und ich wechseln uns ab, so dass die Kinder auch mal getrennt was machen können. Er geht dann mit den Großen ins Kino oder ich mach mal nur was mit den Mädchen. Da kommt keiner zu kurz.

Foto: Karolina Horner, @kalinkaphoto

NAtürlich habe ich mich das auch schon gefragt. Aber dann sehe ich meine Kinder an.

Ich sehe die tiefe Liebe in Oskars Augen, die er für seine kleine Schwester empfindet. Ich sehe Greta , die für Frieda Kekse an einem geheimen Ort versteckt. Ich sehe Finn, der nach einem Albtraum zu Emil ins Bett kriecht. Ich sehe Anton, der Adam umarmt, wenn er sich das Knie gestoßen hat. Ich sehe vor allem eins: Liebe…und hier wird so viel geliebt, dass eines auf jeden Fall nie zu kurz kommt, die absolute und pure Zuneigung. (Lisa, Instagram)

 

Die Belastung

Frau Kakao: Wir alle wissen, so schön es mit Kindern auch ist, es ist auch ganz schön anstrengend. Und das sage ich als Zweifachmama. Gibt es nicht auch bei dir Momente, wo es dir ein bisschen viel wird?

Lisa:

Was schöner wäre, wenn wir mehr Unterstützung hätten. Dass jemand herkommt und sagt „Hey komm, ich helf euch im Haushalt. Das ist, womit ich mir ehrlich gesagt am Schwersten tu. Weil der Rest geht. Ich bin auch viel mit den Kindern alleine unterwegs. Das stört und stresst mich überhaupt nicht. Was mich stört: der Haushalt stresst einfach, weil so viele Kinder unglaublich viel Dreck machen. Und wenn du einen Tag ein bisschen schleifen lässt oder krank bist, dann wirst du des Chaos nicht mehr Herr. Der Haushalt ist echt das einzige, was mich stresst.

Foto: Karolina Horner, @kalinkaphoto

 

Und dann ist da ja noch das Thema Schlaf. Mein Mann ist ja so ein Ruhiger, den bringt nichts aus der Ruhe. Außer ein bisschen wenig Schlaf. Ich wache zwei Mal auf in der Nacht, wegen dem Stillen. Aber Adam möchte nachts immer mit Papa kuscheln. Mein Mann kann aber gar nicht schlafen mit Körperkontakt, der mag das gar nicht. Deswegen schläft er öfter schlecht. Ich schlaf super, mich stört das nicht.

Die Angst

Frau Kakao: Aber ganz so tiefenentspannt bist du nicht immer. Du leidest seit etwas über zwei Jahren an einer Angststörung?

Lisa:

2016 kam bei Oskar der Verdacht auf, er hätte Leukämie. Das war so schlimm. Ein Schock. Ich habe dann totale Ängste um alle meine Kinder entwickelt. Und panische Ängste vor Krankheiten. Der Verdacht hat sich zum Glück nicht bestätigt. Aber das hat aber solche Ängste ausgelöst.

Zu denken, ich könnte mein Kind verlieren, hat einfach solche panischen Ängste ausgelöst! Und die Angst ist immer noch da.

Ich bin in Behandlung in Therapie und habe es inzwischen einigermaßen unter Kontrolle. Aber wenn eins meiner Kinder fiebert, werde ich immer noch total nervös. Mein Therapeut sagt dann immer “Denk an Pferde, nicht an Zebras”. Das klingt total blöd aber es hilft manchmal.

Foto: Karolina Horner, @kalinkaphoto

Alltag und “Extras”

Ich habe keinen Führerschein. Ich komme ursprünglich aus Wien und da hab ich mich einfach unsicher gefühlt. Darum habe ich keinen Führerschein, obwohl ich jetzt auf dem Land lebe. Also geht mein Mann nach der Arbeit zwei Mal die Woche einkaufen. Aber ich gehe viel mit ihnen raus oder in den Wald. Also ich bin auch oft mit 8 Kindern unterwegs, das ist kein Problem.

Aber ich bin auch eine sehr stressresistente Person. Das fällt mir manchmal auf, wenn ich in der Stadt bin und andere mit weniger Kindern schon gestresst sind. Dann fällt mir auf, dass ich da ganz rughig bin. Ich bin einfach anders gestrickt.

Viele sagen auch, ich hab so viel Energie. Ich bin halt ständig unterwegs mit den Kindern. Wir fahren hier hin und dort hin. Ich glaube, das ist einfach Typsache. Ich mag das einfach.

Und auch sonst, haben wir es gut. Wir haben abbezahltes Eigentum. Natürlich geht kein Cluburlaub mit allen Kindern aber ich biete meinen Kindern trotzdem sehr viel. Wir machen Ausflüge, gehen viel in den Wald, schwimmen, also wir machen schon einiges zusammen. Es gibt zwar keinen Urlaub auf den Malediven für alle aber ich glaube nicht, dass es uns an etwas fehlt. Die Großen gehen auf eine Privatschule. Bildung ist mir sehr wichtig. Und wenn wir Urlaub machen, dann meist in Österreich. Mit allen Kindern ins Ausland ist mir ehrlich gesagt dann doch zu stressig.

Foto: Karolina Horner, @kalinkaphoto

Die Reaktionen

Frau Kakao: Wie reagiert eure Umwelt auf euch? Gibt’s da manchmal auch dumme Sprüche, wenn ihr unterwegs seid?

Lisa:

Die Menschen reagieren vorwiegend positiv. Ich begegne den Menschen aber auch sehr offen und dadurch nehme ich und auch meine Kinder den Menschen den Wind aus den Segeln. Wenn man sich mit uns unterhält, sind viele Vorurteile aus der Welt und wir bekommen viel positives Feedvback .

Aber das ist natürlich nicht immer so. Dumme Sprüche sind selten aber es gibt sie immer mal wieder.

Vor vier Wochen waren wir zum Beispiel im Möbelhaus und ich weiß noch, wie eine fremde Frau zu uns gesagt hat „Habt ihr keinen Fernseher?“.

Da hab ich mir gedacht, wie vermessen und böse ist das! Und ich bin dann aber einfach zu nett, entsprechend zu reagieren. Ich bin dann trotzdem nett und lächte. Das muss ich mir noch abgewöhnen.

 

Lebensglück

Frau Kakao: Wie hast Du dich verändert, durch die Kinder? Beschreib dich doch mal, früher und heute.

Lisa:

Ich war eine sehr suchende Jugendliche. Sehr rebellisch. Ich hab oft meine Probleme mit der Gesellschaft gehabt.

Mit den Kindern bin ich stärker geworden. Ich hab mehr zu mir selbst gefunden und lasse mich nicht mehr so von äußeren Einflüssen verleiten.

Ich bin ein sehr melancholischer Mensch. Schon immer gewesen. Aber ich kann mir kein anderes Leben vorstellen und bin sehr glücklich. Und es wird immer schöner.

 

 

 


Vielen Dank Lisa für das tolle Interview! Wenn du gerne mehr über Lisa erfahren möchtest, findest du sie zum Beispiel auf Instagram unter @8_im_Glück.

 

Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn du auch hier auf dem Blog wieder vorbeischaust oder mich auf Instagram unter @frau.kakao.macht.tv abonnierst. Dann verpasst Du auch keinen neuen Blogbeitrag, da ich sie dort immer ankündige.

Schön, das du dir die Zeit genommen hast, den Beitrag zu lesen. Ich freue mich wie immer über Feedback, hier oder auf Instagram.

Alle Fotos: Karolina Horner, www.kalinkaphoto.at

 

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2 thoughts on “8 im Glück-Abenteuer Großfamilie”

  • Ich habe Lisa auch auf Instagram abonniert und bin jedes Mal aufs Neue erstaunt, wie gelassen dort alles läuft!! Ich bin mit 3 Kindern schon den ganzen Nachmittag mit Hausaufgaben beschäftigt… Wie macht sie das nur mit 8? Und wie schön, dass sie so viel unternehmen, auch was Quality Time betrifft. So wichtig ! Ich hatte mal eine Freundin mit 6 Geschwistern und sie hatte als Erwachsene immer das Gefühl, als Kind einer Großfamilie viel versäumt zu haben bzw zurückstecken hat müssen. Gerade was Urlaube und Ausflüge betrifft. Sie wollte deshalb auch nur eine kleine Familie. Das Gefühl hab ich bei Lisa gar nicht!! Schönes Interview!!

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