Endometriose- mein steiniger Weg zum Wunschkind

Endometriose- mein steiniger Weg zum Wunschkind

Schatz, lass uns ein Baby bekommen…

Unser Weg zum Familienglück.

Manche Paare entscheiden sich dazu, ein Baby zu bekommen. Sie warten den Eisprung ab, werden schwanger und bekommen ein Baby. Ende der Geschichte. Bei uns war das alles etwas anders. Dazu erzähle ich etwas zu meiner Vorgeschichte.

Ich heiße Carina, bin 28 Jahre jung, verheiratet und Mutter.

Als ich 12 Jahre alt war, veränderte sich etwas in meinem Leben.

Ich bekam meine Periode und mit ihr, war nichts mehr, wie es mal war. Ich hatte fast unerträgliche Schmerzen. Es gab Tage, an denen konnte ich kaum aus dem Bett steigen. 

Ich verlor jeden Monat eine Menge Blut. Teilweise blutete ich 4 Wochen am Stück. Ärzte begegneten mir mit Unverständnis. Eine Periode würde eben wehtun. Es sei nichts Außergewöhnliches, dabei Schmerzen zu haben. Ich nahm Tabletten gegen die Schmerzen, und fand mich damit ab. Acht Jahre später kam ich ins Krankenhaus. Unerträgliche Schmerzen im gesamten Unterbauch. Verdacht auf Blinddarmentzündung. Operation. Der Blinddarm wurde entfernt. Er war aber nicht entzündet. Eher beiläufig und ganz beachtungslos, erklärte man mir nach der OP, dass es nicht der Blinddarm war, sondern, dass ich unter *Endometriose leide (Erklärung, siehe unten). Das sei aber nicht so schlimm, und jetzt ja auch weg.

Ich hörte das Wort *Endometriose zum ersten Mal, in meinem Leben. 

So nebenbei, wie das erwähnt wurde, dachte ich naiverweise, damit sei es dann auch getan. Endometriose, OP, Endometriose weg. Die Realität sah allerdings ganz anders aus. Die Schmerzen blieben, die Endometriose kam wieder. Immer und immer wieder. Das heimtückische an ihr ist, man kann sie nicht sehen. Nicht im Ultraschall, nicht bei einer Magenspiegung, nicht bei einer Darmspiegelung. Ich begab mich in die Hände eines Spezialisten und fuhr nach Aachen, um mich dort untersuchen und weitere zwei Male operieren zu lassen.

 

 

Vor der letzten OP riet man uns dazu, darüber nachzudenken, ob wir unseren Kinderwunsch nicht lieber eher bald in die Tat umsetzen wollten. Denn durch die vielen Operationen und das dadurch entstandene Narbengewebe, könne es passieren, dass es für mich immer schwieriger werden würde, schwanger zu werden.

Ok. Das war ein kleiner Schock.

Wir wollten Kinder-keine Frage! Aber so vor die Wahl gestellt zu werden, war einfach ziemlich unerwartet. Da es frisch nach einer Endometriose-OP die besten Möglichkeiten gab schwanger zu werden (nach der Abheilung von 4 Wochen), entschieden wir uns letztendlich dazu, es zu tun. Lieber früher als geplant Kinder, als gar keine Kinder. Also, ließen wir es auf uns zukommen.

Die OP war Ende September 2013.

Am 06. Dezember 2013 hielt ich einen positiven Schwangerschaftstest in meinen Händen. Ich konnte es nicht fassen. WIR konnten es nicht fassen. War es tatsächlich so einfach, nach diesem Leidensweg schwanger zu werden? Der erste Termin beim Frauenarzt fand eine Woche später statt. Und da war sie: eine gut sichtbare Fruchthöhle, zeitgemäß entwickelt. Ich bekam ein Beschäftigungsverbot, da ich als Zahnarzthelferin nun nicht mehr in der Assistenz arbeiten durfte.

Alle wussten Bescheid, wir würden ein Baby bekommen. 

Eine weitere Woche später, ging es wieder zum Ultraschall. Ich hatte alle Anzeichen, die man bei einer Schwangerschaft eben so hat. Unbeschreibliche Müdigkeit, Übelkeit und Kopfschmerzen. Die Tests reagierten immer schneller und deutlicher.

Doch dann die Ernüchterung. Außer einer Fruchthöhle, war nichts weiter zu sehen. Sie wurde zwar größer, aber sonst war da nichts. 

Ich hörte Worte wie: Eileiterschwangerschaft, Eckenhocker und Windei. Man sollte weitere zwei Wochen warten, und dann schauen, ob sich ein Embryo zeigt. Weihnachten kam und ich war noch immer in Ungewissheit. Am 27.12. sollte ich wieder zum Arzt. Nichts. Außer etwas Blut, was sich im inneren der Höhle angesammelt hatte.

Ich weinte. Für viele nicht verständlich, war da doch niemals ein Baby. Für mich war es aber einfach nur schrecklich. 

Denn ein positiver Test bedeutete für mich, dass man am Ende ein Baby bekam. Keine Fruchthöhle, die einfach leer blieb. Ich wurde ins Krankenhaus geschickt. Diagnose: Windei.

Therapie: Ausschabung.

Ich war fix und fertig. Konnte nicht fassen, dass es sowas überhaupt gab, und dass UNS sowas passieren musste.

Am 06. Januar 2014 folgte dann die Ausschabung. Ich habe geweint. Die Hormone spielten verrückt. War ich doch eigentlich „schwanger“ und plötzlich war ich es nicht mehr. Wir haben jedoch nicht aufgegeben. Ich begann wieder zu arbeiten und war gut abgelenkt. Wir haben die Abheilung abgewartet und voller Vorfreude einen neuen Versuch gestartet. Die Monate vergingen und mit jeder Periode, verließ mich fast der Mut. Ich hatte Angst, niemals dieses Glück fühlen zu dürfen, ein Baby im Arm halten zu können.  Ich fühlte mich, als hätte ich versagt.

Am 21. Juni 2014 war es dann endlich so weit:

Der Test war positiv!!! Ich war so zuversichtlich. 

Habe mich so gefreut.

Endometriose

Wusste einfach, diesmal würde es gutgehen. Ich ging eine Woche später zum Arzt und da war es: Ein Mini Baby, inklusive Herzschlag.

Mir stockte fast der Atem. Wir waren endlich schwanger.

Und so glücklich.

Dieses kleine Herz schlug so schnell und gleichmäßig, es war ein wahres Wunder.

Auch diesmal bekam ich wieder ein Beschäftigungsverbot. Zwei Wochen später ein erneuter Termin: Alles gut. Das Herz schlug und das Baby war schon ein ganzes Stück gewachsen. Wir wollten Urlaub buchen, um zu meiner Familie nach Griechenland zu fliegen. Der Frauenarzt hatte keine Bedenken und gab uns das O.K. Der Flug sollte am 22.07. morgens um 5:30 Uhr starten. Am 21.7. gingen wir noch einmal zum Arzt. Ich wollte nur auf Nummer sicher gehen. Nochmal alles absegnen lassen, bevor wir unseren Familien verkünden würden, dass wir ein Baby erwarteten.

Der Arzt schallte und wir sahen unser Baby. Es war schon wieder gewachsen. Aber mir fiel direkt etwas auf:

Wo war das Blinken? Wo war der Herzschlag? Ich konnte nichts sehen! Ich sah meinen Arzt panisch an, sein Blick blieb starr auf dem Bildschirm. 

Er schallte hin und her. Drückte auf meinem Bauch herum und suchte eine gefühlte Ewigkeit. Ich ließ den Kopf zurückfallen und begann zu weinen. Um mich herum eine Nebelwand. Ich konnte nichts mehr hören. Worte wurden dumpf, alles verblasste. Ich fühlte mich, als würde ich von oben herab die Situation betrachten. Empfand Mitleid, für diese arme Frau, die da lag und so weinte.

Halbnackt, mit einem Ultraschallkopf in ihr.

Irgendwann war es endlich vorbei. Der Arzt sagte was von Ausschabung, kein Urlaub und ob mein Partner und ich überhaupt zusammenpassten, genetisch betrachtet.

Ich konnte es nicht glauben. Ob wir genetisch zusammenpassten?! Sollte das etwa heißen, dass der Mann, mit dem ich mein Leben verbringen wollte, nicht geeignet war, der Vater meiner Kinder zu sein?

Ich war schockiert. Ich weinte. Es tat so weh. Wir fuhren sofort ins Krankenhaus.

Dort wurde wieder geschallt.

Keine Herzaktion.

Missed Abort, 10. SSW. Ausschabung.

„Bitte kommen Sie morgen früh um 6 Uhr wieder.“

Ich kam mir schäbig vor bei den Worten, die ich dann sagte: „Morgen früh um 5:30 Uhr geht unser Flug nach Griechenland. Können wir es nicht heute machen? Ich überlebe das sonst nicht!“

Die Ärztin hatte Tränen in den Augen.

Sie setzte alle Hebel in Bewegung, damit wir noch heute dran kamen. Ich kam aufs Zimmer und bekam ein Zäpfchen, um den Muttermund zu öffnen. Meinen Mann schickte ich nach Hause. Koffer packen, die letzten Erledigungen machen. Ich bekam Wehen. Ich hatte unerträgliche Schmerzen.

Ich weinte so sehr. Ich verlor unser Baby… ich hatte es schon wieder nicht geschafft. Ich hatte versagt.

Abends um 19 Uhr kam ich in den OP. Um 23 Uhr war ich wieder zu Hause. Alles war wie ein schlimmer Albtraum. Um 3:00 Uhr fuhren wir zum Flughafen. Um 5:30 Uhr starteten wir. Ausgeschabt und unschwanger starteten wir in den Urlaub. Die nette Ärztin hatte mir vor der OP ihre private Handynummer gegeben und bat mich, sie anzurufen, sobald es mir schlecht gehen würde. Der Urlaub war wie eine Therapie für mich.

Ich weinte viel. Aber ich erholte mich auch schnell.

Die Sonne und die andere Umgebung tat mir gut, das Geschehene zu verarbeiten. Meine Blutung hörte bereits nach 4 Tagen auf und ich fühlte mich besser. Ich ging im Meer schwimmen (nach Rücksprache mit der Ärztin) und konnte endlich anfangen, den Urlaub zu genießen.

Sommer, Sonne, Strand und me(e)hr …

Liebe ist die beste Medizin. Wir konnten uns nicht ganz an die Abmachung halten, enthaltsam zu sein, die nächsten vier Wochen. Der Urlaub war zu Ende und ich sollte zur Nachsorge zu meinem Frauenarzt. Dass wir doch im Urlaub waren, verschwiegen wir ihm. Im Ultraschall sah man die „gut aufgebaute“ Schleimhaut. Ich sei “super verheilt” und würde schon bald meine Periode bekommen. Sagte man mir.

Mein Gefühl, sagte mir etwas anderes.

Ich begann wieder zu arbeiten und überlegte mir, bei der nächsten Schwangerschaft erst mal alles für mich zu behalten. Als ich am 22. August 2014 einen Schwangerschaftstest machte, war er schneller positiv, als ich gucken konnte.

Ich war hin und hergerissen zwischen lachen, weinen und wie euphorisiert durch die Wohnung hüpfen.

Eines wusste ich trotzdem sofort: Ich musste mir einen neuen Gynäkologen suchen.

Und das tat ich auch.

Ich machte einen Termin für in zwei Wochen.

Was ich da sah, war ein Schock: Da waren doch tatsächlich ZWEI Fruchthöhlen zu sehen. Allerdings befand sich in nur einer der beiden ein Embryo. Der Frauenarzt hörte sich meine Vorgeschichte an und entschied sich dazu, mir ein Gelbkörperhormon zu verordnen.

Progesteron.

Einfach so, damit es nicht so schnell abgehen könnte. Allein das, beruhigte mich schon ungemein. Ich fühlte mich einfach sicher. Und der Arzt versprach mir, dass ich mich nicht sorgen müsste. Dass ich wöchentlich zum Ultraschall kommen dürfte, wenn mich dies beruhigte.

Ich kam. Und alles war gut.

Nur die zweite Höhle entwickelte sich nicht weiter und war schließlich ganz weg.

Aber die andere Höhle, wuchs. Das Baby darin wuchs.

 

 

Die Wochen vergingen, und irgendwann war die 12. Woche vorbei. Die Schwangerschaft verlief problemlos. Erst nach der 12. Woche bekam ich mein Beschäftigungsverbot, da ich es bis zu diesem Zeitpunkt für mich behielt.

Zu groß war die Angst, vor einer erneuten Enttäuschung.

Es dauerte, bis ich meinem Körper zutraute, dass er das diesmal schaffen würde. Dass das Endresultat dieser Schwangerschaft ein Baby sein würde, und keine erneute Enttäuschung.

Nach und nach begann ich aber, an mich und unser Baby zu glauben.

Unsere kleine Isabella kam kerngesund, spontan in der 39. Woche zur Welt.

Ich habe die gesamte Geburt über einen großen Spiegel verfolgt, der direkt vor mir positioniert wurde. Mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite. Ich hab mir unsere Prinzessin selber genommen.

Es war der wundervollste Augenblick, meines gesamten Lebens.

 

 

Der 20. April 2015 hat unser Leben verändert. Mit 3150 g und 48 cm war sie unser ganzer Stolz.

Isabella hat den „Fluch“ gebrochen, und uns endlich zu Eltern gemacht.

Als sie 7 Monate alt war, durfte ich erneut einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen halten. Auch diese Schwangerschaft verlief ohne jegliche Komplikationen.

Am 19. Juli 2016 brachte ich unseren Sohn Leandro in der Gebärwanne zur Welt.

 

3390 g und 49 cm pure Liebe. Bereits 3 Stunden nach seiner Geburt, verließen wir das Krankenhaus und konnten unser neues Familienleben zu Hause genießen.

Wer hätte bloß gedacht, dass wir fast auf den Tag genau, 2 Jahre nach der zweiten Ausschabung, zweifache Eltern sein würden?!

Und obwohl wir zwei gesunde Kinder haben, denke ich so oft an mein(e) Sternchen.

Und musste mir doch tatsächlich so beiläufige Sätze anhören wie:

„Ach, es ist ja zum Glück ganz früh passiert.“

„Du warst ja noch nicht so weit.“

„Besser jetzt, als in der 20. Woche oder so.“

Solche Aussagen machen mich sprachlos und traurig zugleich.

Es war ein Teil von uns. Wir sahen das Herzchen schlagen. Da war ein Leben, was dann nicht mehr da war. Wieso, um alles in der Welt, sollte das „nicht so schlimm“ sein?!

Es ist schlimm. Es ist vielleicht „anders schlimm“, als wenn es im 6. Monat passiert. Aber es tut trotzdem weh. Ich denke, das ist der Grund, wieso viele Frauen nicht darüber reden wollen. Sie denken, es sei ja gar nicht schlimm, sie würden sich nur anstellen. Das ist nicht der Fall.

Trauert, wenn Ihr trauern wollt.

Und nehmt Euch Zeit.

Lasst Euch nicht entmutigen.

Manchmal ist der Weg nicht leicht.

Aber hört nicht auf, an Euch zu glauben.

Lasst Euch von Rückschlägen nicht unterkriegen.

 

Eure Carina

 

Danke liebe Carina für diesen bewegenden und sehr ehrlichen Gastbeitrag. Wer gerne mehr über Carina erfahren oder sie kontaktieren möchte, findet sie bei Instagram unter @muddi_am_rande_des_wahnsinns .

 

 

 

*Endometriose ist ein häufiger Grund für Unfruchtbarkeit bei Frauen.

Sie ist eine bei Frauen weit verbreitete, gutartige Erkrankung, die oft unentdeckt bleibt. Hierbei wächst Gebärmutterschleimhaut-ähnliches Gewebe nicht nur in der Gebärmutterhöhle, sondern auch an Stellen, wo es eigentlich nicht hingehört: zum Beispiel in tieferen Wandschichten der Gebärmutter oder ganz außerhalb der Gebärmutter in anderen Organen. Die Veränderungen sind gutartig – können aber starke Schmerzen verursachen. (Quelle: Onmedia)

Wie die normale Gebärmutterschleimhaut verändert sich auch das Endometriosegewebe während des Menstruationszyklus. Die Endometriose tritt meist im unteren Bauch- bzw. Beckenraum auf. Häufig sind dabei die Eierstöcke betroffen. […] Da die Ursache für die Entstehung einer Endometriose bisher nicht geklärt werden konnte, besteht keine Möglichkeit einer […] Behandlung oder einer Vorbeugung.

Die Behandlung der Erkrankung schließt die operative Entfernung oder Zerstörung der Herde sowie eine hormonelle Hemmung des Zyklus ein, um die Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Endometriose zu verringern. Eine vollständige Entfernung einer […] diffusen Endometriose in der Gebärmutterwand kann nur durch eine Gebärmutterentfernung erreicht werden. (Quelle: Wikipedia)



2 thoughts on “Endometriose- mein steiniger Weg zum Wunschkind”

  • Sehr schöner Beitrag, der Mut macht. Danke für die schönen Worte. Ich bin auf dich aufmerksam geworden, da du unter dem Post von Jasmin (misszimtundzucker) mir geschrieben hast. Ich freue mich sehr, dass ich dadurch deinen Text bzw deine Geschichte lesen konnte.. weil es nämlich genau das ist, was dann bei einem erneuten Versuch auf mich zu kommt.. die Angst das es wieder schief geht.. aber zunächst erst einmal wieder dem eigenen Körper vertrauen lernen und dann wenn es klappt, versuchen sich abzulenken um keine negativen Gedanken zu verschwenden..

    Lg Lucie

  • Mit Ultraschall kannst Du es zwar mit eigenen Augen sehen, doch selbst dann ist es noch zu wunderbar, um wirklich komplett verstanden zu werden.

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