Lieben ohne Rücksicht auf Verluste. Bereitschafts-Pflegeeltern.

Lieben ohne Rücksicht auf Verluste. Bereitschafts-Pflegeeltern.

Einleitung

Lara und Nina sind selbst noch sehr jung, 27 Jahre alt, um genau zu sein . Die beiden sind Zwillinge. Und Nina ist schon Mama eines mittlerweile 5 jährigen Mädchens, Lea. Das bedeutet jede Menge Verantwortung für die Studentinnen, die sich gemeinsam um Lea kümmern. Doch während viele andere in ihrem Alter damit schon voll ausgelastet wären, geben die Schwestern auch “fremden” Kindern ein Zuhause. Kinder, die nicht in ihrem Bauch gewachsen sind aber zur Familie gehören. Auf Zeit.

Denn Lara und Nina sind “Bereitschafts-Pflegeeltern”. Zum Zeitpunkt dieses Interview lebt gerade das 7. Pflegekind bei ihnen, ein kleiner Junge.

Und auch er wird bald wieder gehen. Das wissen die Schwestern. Trotzdem- oder gerade deshalb- bekommt er ihre volle Aufmerksamkeit und hundert Prozent Zuneigung. Denn:

“Man kann nicht nur halb lieben.”

In einem sehr bewegenden Interview haben sie mir gezeigt, was es wirklich heißt, Pflege-Eltern zu sein und wie oft es an die Substanz geht. Aber auch, dass selbst ein kleiner Samen, der in der Seele eines Kindes gepflanzt wird, später zu einem starken, stabilen Baum mit festen Wurzeln und wunderschönen Blüten wachsen kann. Und das Zuneigung, gerade in den ersten Lebensmonaten, ein Sicherheitsanker für das ganze Leben ist.

Lest bitte selbst.

Anmerkung: Mittlerweile haben Lara und Nina getrennte Wohnungen, kümmern sich aber dennoch weiterhin gemeinsam um die Kinder.

Das Interview: Eltern auf Zeit

Frau Kakao: Was war eure Motivation für die Bereitschaftspflege? Sowas entscheidet man ja nicht einfach so, aus einer Laune heraus.

Nina: Nein, das war sogar sehr dramatisch. Als Lea vor 5 Jahren geboren wurde, ging es ihr sehr schlecht. Das war wirklich dramatisch. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Die Ärzte machten uns wenig Mut. Lea hatte eine ungewisse Zukunft.

Sie sagten, medizinisch gesehen, sei da wenig zu machen. “Schenken sie dem Kind einfach viel Liebe.”

Und genau das haben wir gemacht. Und das Wunder ist wirklich passiert: Lea hat eine Entwicklung hinter sich, die in Deutschland einzigartig ist. Die Ärzte habe keine Erklärung aber sie sagten uns, man weiß heute einfach, dass Liebe und Zuwendung bei der Entwicklung unglaublich viel bewirken können, gerade bei den Hirnfunktionen.

Zwillinge mit Kind

Da haben wir uns gesagt, wenn wir wissen, was Liebe alles kann und wir haben noch so viel Liebe über, warum machen wir das nicht bei „fremden Kindern“?  Die haben ganz dolle Wunden in der Seele und vielleicht können wir das „heilen“.

Lara: Wir wissen, dass wir die Welt nicht retten können- und auch teilweise nicht mal diese Kinder. Aber selbst wenn sie nur sieben Tage bei uns sind, dann geben wir ihnen sieben Tage alles. Alles, was wir Lea auch gegeben haben. Und wir sind uns sicher, auch von diesen sieben Tagen können sie vielleicht ein bisschen schöpfen.

Manche Fälle sind einfach traurig

Frau Kakao: Aber dann gibt es ja sicher auch die Momente, in denen man sich fragt, “warum mache ich das eigentlich?”. Ein Fall, von dem ihr mir erzählt habt, geht euch ja auch heute noch besonders nah. Dieser Fall ist einfach unfassbar traurig, auch für mich, als Außenstehende. Was ist da passiert?

Lara: Am Anfang war es sehr schwer. Da hatte ich manchmal Situationen wo ich dachte: “Warum mache ich das eigentlich wenn ich übermorgen das Kind abgebe und genau weiß, wie es endet. Wir hatten auch schon Situationen, wo wir vermuten, dass sie ganz schlimm geendet sind. Und ich hab’s vorhergesagt und habe gewarnt,

“sie dürfen das Kind nicht zurückführen, da stimmt was nicht!”

Nina: Der schlimmste Fall ist, dass wir vermuten, dass es Kindern nach ihrer Rückkehr nicht gut ergangen ist. Das ist ganz, ganz schlimm auszuhalten. Sie waren in einer so schlechten körperlichen Verfassung. Die brauchten einfach dringend medizinische Versorgung. Und ob sie die wirklich so bekommen, wie es eigentlich notwendig wäre, wissen wir nicht.

Lara: Wir dürfen da natürlich nicht ins Detail gehen aber es waren Kinder, wo wir große Zweifel hatten, ob sie gut versorgt werden.

Beweise haben wir nicht. Und das sind so Sachen, die sind ganz schlimm.

Aber am Ende bin ich „nur“ die Bereitschafts-Pflegemutter. Wir entscheiden nicht. Ich sage mir dann,

du bist im Hier und Jetzt. Was in der Zukunft ist, kannst du nur versuchen zu beeinflussen aber es liegt am Ende nicht in deiner Hand.

Oft gibt es nur wenig Zusammenarbeit zwischen dem Jugendamt und uns. Die arbeiten im Hintergrund und dann kommt der Anruf, “das Kind wird zurückgeführt”. Manchmal gibt es Besuchskontakte mit der Mutter.

Manchmal ist die Mutter beispielsweise obdachlos und wenn sie dann  wieder die Voraussetzungen erfüllt, sind mir die Hände gebunden, selbst wenn ich trotzdem Bedenken habe und kein gutes Gefühl.

Nina: Lea denkt ja immer die Welt ist heil und toll…das Wichtigste ist, dass sie das nicht mitbekommt.

Lara: Aber es gibt’s auch Kinder, die in eine Dauerpflege-Familie kommen und da kenne ich teilweise die Pflegeeltern und wir haben bis heute Kontakt. Und die schicken mir Fotos und sagen, “guck mal, heute ist sie ein Jahr alt geworden”. Das sind so die schönen Seiten.

Wenn der Anruf kommt

Frau Kakao: Wie funktioniert das so, wenn ihr wieder ein neues Pflegekind bekommt?

Nina: Für einen kurzen Moment bleibt alles stehen. Dann rattert es. Wie alt ist das Kind? Was braucht es? Was müssen wir vom Dachboden holen?

Kinderbett für Pflegekind

Lara: Ein Bettchen und das Nötigste haben wir immer hier stehen. Ansonsten haben wir alles geordnet auf dem Dachboden nach Mädchen, Junge, Alter. Man weiß ja nie, was kommt.

Nina: Egal wie dramatisch  die Hintergründe sind, da ist immer eine freudige Erwartung. Wir sagen uns, wir haben jetzt die Chance, dieses Kind aufzufangen.

Lara: Der letzte Anruf kam am Dienstag um viertel vor zwölf und um halb eins war der Kleine hier. Ich sag mal so: Zwei bis drei Stunden ist schon richtig viel Vorlauf.

Und plötzlich ist da ein Kind

Frau Kakao: Und plötzlich ist da dieses Kind, das euch anvertraut wird und das euch noch nie gesehen hat. Wie ist das?

Nina: Die Anspannung ist in den ersten zwei bis drei Tagen am schwersten. Wir bekommen ja ein Überraschungspaket. Wir erfahren 40% beim Anruf, die anderen 60% kriegen wir frei Haus mit dem Kind geliefert.

Lara: Meistens wissen wir sehr, sehr wenig. Grob was passiert ist und warum es in Obhut genommen wurde. Die Einzelheiten kommen meistens erst später raus, zum Beispiel ob das Kind ein fetales Alkoholsyndrom hat.

Die Jugendämter wollen in erster Linie schnell Eltern für das Kind haben. Ich habe das Gefühl, da wird auch nicht immer gleich alles erzählt. Aber das Wichtigste erfahren wir, damit wir auch einschätzen können, traue ich mir das zu oder nicht.

Nina: Wir müssen ganz schnell herausfinden, was mag das Kind, was mag es nicht, worauf müssen wir achten? Was ist ihm passiert?  Wie muss es schlafen, wie kann es essen… die ersten zwei Tage ist Ausnahmezustand aber Lea darf das nicht spüren. Alles muss gut weitergehen.

Alles ist neu und fremd

Frau Kakao: Was sind, gerade in der ersten Zeit mit Baby die größten Schwierigkeiten mit Pflegekind?

Nina: Viele sagen, „wenn ich ein Kind bekomme, muss ich das auch neu kennen lernen“. Ich sage dann immer: “Du hast das Kind neun Monate unter deinem Herzen getragen, ihr habt eine Verbindung. Das Kind KENNT dich und alle, die in deinem Haushalt leben. Es hat dich gerochen, gehört, kennt alle Stimmen.

Das Kind kennt uns nicht, hat uns nie gehört oder gerochen.

Und selbst wenn es ein Kind ist, das wir direkt aus dem Krankenhaus bekommen, es ist in den seltensten Fällen freiwillig abgegeben worden. Die Frau hat in der Regel keine Traum-Schwangerschaft erlebt. Es war fast immer Gewalt in der Schwangerschaft, Drogenmissbrauch. Das heißt, das Kind kommt schon mit ganz anderen körperlichen Voraussetzungen zur Welt als ein unbelastetes Neugeborenes.

Für das Kind ist das natürlich der Horror, mit 8 Wochen oder so einfach rausgerissen zu werden.

Selbst wenn es eine prügelnde Mutter hatte oder nie etwas zu essen bekommen hat- es ist ein Schock. Das Kind will zu seiner Mama.

Darf man ein Pflegekind lieben?

Nina: Oft werden wir gefragt, ob wir da auf Distanz  bleiben und das Kind nicht an uns ranlassen. Und ich sage ganz klar “Nein”. Wenn es jemand so handhabt, ist er in der Bereitschaftspflege falsch.

Wie schlimm wäre das für ein Kind?

Das ist die höchste Disziplin der Bereitschaftspflege, Zuneigung geben zu können und Nähe, ohne Rücksicht auf Verluste.

Liebe raushauen, Bindung knüpfen. Es ist auch für das Kind nicht leichter, wenn wir keine Bindung aufbauen. Denn das Kind muss ja ein Bindungsverhalten lernen. Und wenn es das bei uns nicht lernt, wird es bei den nächsten Stationen nur schwerer.

Frau Kakao: Aber wie macht ihr das? Lieben und immer wieder loslassen, ohne dabei selbst verletzt zu werden.

Nina: Wir denken nicht drüber nach. Wir schalten es völlig aus. Erst wenn klar ist, das Kind muss gehen, lassen wir es ran.

Wenn wir das Kind übergeben, drücken wir das Kind und dann kommen diese Gedanken. Vorher nicht, denn das Kind würde das spüren.

Erst danach kommt der Moment, wo wir eine symbolische Schublade aufmachen. Das Kind wird übergeben und die Schublade wird geschlossen. Ende.

Jedes Kind hat bei uns eine kleine Box. Wir geben auch jedem Kind eine Kleinigkeit mit. Das ist uns auch für Lea sehr wichtig, dass kein Kind vergessen ist.

Alle haben kurz zu uns gehört und werden für immer zu uns gehören. Aber wenn wir nicht lernen, diese Schubladen geschlossen zu halten, dann gehen wir kaputt.

Unser erstes Pflegekind

Frau Kakao: Die Kinder, die zu euch kommen sind ja zwischen wenigen Tagen und etwa einem halben Jahr alt. Erinnert ihr euch noch gut an euer allererstes Pflegekind?

Lara: Ja, ich erinnere mich an alle unsere Kinder. Beim allerersten Kind hab’ ich tatsächlich auch noch Kontakt zur leiblichen Mutter. Da musste das Kind erst mal raus, ich kann da jetzt nicht ins Detail gehen, und es hat sich aber für die Kindsmutter zum Guten gewendet. Er ist jetzt ein Jahr alt und ihm geht es gut. Da hab ich auch das erste Mal die Erfahrung gemacht, dass die leiblichen Eltern sehr dankbar waren. Oft ist man ja die Böse wenn das Kind „weggenommen wird“. Aber die waren uns total dankbar, dass wir uns gekümmert haben und das war auch eine sehr schön Erfahrung. Die haben uns sogar Blumen gekauft.

Wenn die Bindung zu eng wird, ist das ein Problem

Frau Kakao: Ihr sagtet, ihr würdet euch wünschen, dass in Zukunft schneller über das Schicksal der Kinder entschieden wird. Warum ist das so wichtig?

Lara: Oft bleiben sie zu lange

Oft ist das Problem, dass Zuständigkeiten nicht schnell geklärt werden können. Da wird zum Beispiel auch erst mal geschaut, wer könnte denn noch als Erziehungsberechtigter in Frage kommen. Dann werden noch Gutachten erstellt. Und das braucht oft so, so viel Zeit. Und oft ist dann ein Jahr rum und sie können dann doch nicht mehr zurückgeführt werden. Das ist für die Kinder natürlich doof. Gerade wenn sie noch so klein sind, könnte man sie super in Dauerpflegestellen vermitteln. Wo kinderlose Paare echt noch eine gute Bindung aufbauen könnten. Statt dessen verstreicht so viel Zeit. Das ist echt schade…

Frau Kakao: Dass muss doch für die Kinder erst Recht traumatisch sein. da haben sie gerade erst eine Bindung aufgebaut und müssen sich schon wieder trennen!

Lara: Viele Entscheidungen dauern einfach lange aber manchmal schieben sich Behörden die Akte gegenseitig zu, weil keiner zuständig sein möchte und das ist echt schade.

Der kleine Mann, den ich jetzt habe ist 12 Wochen alt. Er war die ersten Wochen in der Mutter-Kind-Einrichtung und weitere Wochen in einer Suchtklinik, weitere Wochen in einer Mädchenschutz-Stelle und ist jetzt bei mir.

Dann kann man sich vorstellen, dass ich sage, der ist jetzt 12 Wochen alt: wenn man es jetzt schnell macht, kann er toll in Dauerpflege vermittelt werden und eine echte Bindung aufbauen, ohne einen Knacks zu bekommen.

Oft geht es eben auch um Geld. Unterbringung kostet Geld. Bereitschaftspflege kostet Geld. Die günstigste Alternative ist immer, wenn das Kind zu den leiblichen Eltern zurückgeführt wird. 

Da müssen die Jugendämter erst mal alle Möglichkeiten ausschöpfen, ob es nicht doch eine Möglichkeit gibt, ich sag’s mal ganz platt, dass das Kind zur “günstigsten Alternative” zurückgeht. Es ist deren Job, nicht böswillig. Die müssen so handeln. Und ich kenne eben auch viele Kollegen, die genau deswegen nicht mehr in dem Job arbeiten, weil sie sagen,

“ich rede nur noch von Zahlen, dabei hab ich ein Baby vor mir liegen.” Da läuft generell in Deutschland etwas schief.

Die Abschiede tun weh

Frau Kakao: Erinnert ihr euch noch an euren ersten Abschied?

Lara: Ich wusste von Anfang an, dass es auf zwei Wochen begrenzt ist und  ich auch Kontakt halten kann. Da hab ich mich gefreut, weil ich wusste, dem Jungen geht es gut in der Familie.

Ein anderer Abschied war schwieriger. Das war ein Mädchen, die hatte ich direkt von Geburt an. Die kam direkt mit drei Tagen aus dem Krankenhaus und ist zwei Monate geblieben.

Da musste ich schon schlucken und hab ein Tränchen verdrückt, als ich nach Hause kam und das Bettchen war leer.

Aber ich wusste, es geht ihr gut.

Anders ist das bei Kindern , wo ich ein ungutes Gefühl habe.

Da liege ich oft nachts wach und denke “oh Gott, wo sind die Mäuse?”.

Lea erfährt nichts über die Kinder. Nur dass Mama und Papa sich gerade nicht kümmern können. Dass sie vielleicht krank sind oder gerade keine Zeit haben. Lea erfährt nie die wahren Gründe. 

Das muss gar nicht in ihren Kopf, dass es sowas gibt. Sie weiß nicht, dass Mamas und Papas gewalttätig sein können.

Und das muss sie mit 5 Jahren auch noch nicht wissen. Deshalb erzählen wir auch immer: “Es ist alles gut, die Kinder gehen zurück zu Mama und Papa” oder “haben eine neue Pflegefamilie gefunden.”

Sie sagt dann Tschüss und ist dann auch nie traurig- wahrscheinlich weil wir ihr diese heile Welt auch aufrecht erhalten. Dass wir das Kind nehmen, weil “Mama oder Papa geht’s nicht gut” und das Kind geht zurück, weil alles geklärt ist.

Bereitschaftspflege

Lea kommt überraschend gut damit klar

Frau Kakao: Wie reagiert Lea auf die Babys? Ist sie da gar nicht eifersüchtig, wenn “fremde Kinder” von euch so viel Aufmerksamkeit bekommen?

Lara: Gar nicht. Wir hatten Angst davor. Wir hatten mal Kinder, die waren sehr pflege-intensiv.  Die haben nachts durchgeschrien. Lea hat nichts gesagt. Wir sagten zwischendurch mal „puh, ganz gut wenn die auch wieder gehen oder?“ Und sie sagte “nein, das sind meine Babys!“.

Wir sind ja auch zu zweit und können gut für Lea da sein, trotz der Pflegekinder.

Aber wir lernen auch: Ich hab mal den Fehler gemacht, einem Baby ihr Schmusetuch zu geben, ohne sie zu fragen. Das wollte sie überhaupt nicht. Sie gibt alles für die Babys aber wir fragen sie jetzt vorher, so dass sie selbst entscheiden kann.

Reaktionen von außen

Frau Kakao: Ihr bekommt ja sowieso schon oft Kritik, weil ihr als Schwestern, ohne Mann, mit einem Kind zusammenlebt. Wie sind denn die Reaktionen der Leute, wenn ihr dann gerade auch noch ein Pflegekind habt?

Lara: Die Leute sagen zum Beispiel: “Wie soll denn Lea da ein richtiges Rollenbild lernen? Warum kommen Pflegekinder in so verkorkste Familien? Dann werden sie doch erst Recht krank!”

Anfangs haben wir es uns zu Herzen genommen und darüber nachgedacht. Wenn das  so viele Menschen sagen, muss ja was dran sein. Mittlerweile sage ich “nein”, da ist nichts dran!

Ich bin der Meinung, es ist egal, ob das Kind bei Homosexuellen, Heterosexuellen, Alleinerziehenden groß wird. Wenn sie geliebt werden, ist alles super.

Es gibt immer Kritiker, manchmal auch Neider, die ihren Senf dazu abgeben.

Aber mittlerweile bekomme ich eine Nachricht pro Tag, im Durchschnitt, von Menschen, die durch uns darüber nachdenken, ein Pflegekind aufzunehmen oder Fragen zur Pflege haben. Und das freut mich sehr.

Zwillinge

Unsere Tipps für potenzielle Pflegeeltern

Frau Kakao: Was ist der beste Tipp, den ihr potenziellen Pflegeeltern mit auf den Weg geben möchtet?

Lara: Gut informieren! Tauscht euch aus mit anderen Pflegefamilien.

Man muss zum Beispiel auch an die Besuchskontakte denken. Das vergessen viele, dass man auch mit den leiblichen Eltern Kontakt hat. Deutschland braucht mehr Pflegeeltern aber man sollte sich gut informieren und für sich wissen, das möchte man und das nicht. Zum Beispiel muss man sich überlegen, welches Alter kann ich mir für mich und meine Familie vorstellen? Denn nur dann kann es gut passen und funktionieren. Viele schämen sich, Wünsche klar zu formulieren aber das braucht man nicht.

Nina:

Zwanzig Prozent sind: hab ich Platz, Zeit und Geld. Und Achtzig Prozent die du brauchst, sind Fähigkeiten, die liegen aber in dir drin.

Bei Bereitschaftspflege ist beispielsweise ein Ausschlusskriterium wenn man einen Kinderwunsch hat. Denn dann wird die Bindung zu groß und das Kind geht irgendwann. Man muss psychisch und emotional sehr stabil sein.

Wenn man eine Familie gründen will und sich ein Kind wünscht, das für immer bleibt, ist eher Dauerpflege das Richtige. Außerdem: Bei der Dauerpflege erntet man Früchte. Nach einem Jahr hat sich das Kind reguliert und geht irgendwann in den Kindergarten.  Bei der Bereitschaftspflege gibt man, objektiv gesehen, nur. Man sieht keine Erfolge, weil die Kinder nicht lange genug bleiben, um ihre weitere Entwicklung zu sehen.

Alles was man bekommt, ist ein Lächeln

Es wird nicht leichter- aber man gewöhnt sich dran

Frau Kakao: Wird es irgendwann leichter? Zum Beispiel eine Bindung aufzubauen und dann wieder loszulassen?

Nina: Wir werden routinierter. Abstumpfen ist das falsche Wort aber routinierter. Wir werden gelassener, weil wir wissen, dass manchmal solche Entscheidungen fallen.

Es wird aber auch schwieriger, weil wir immer mehr Leid erfahren, mehr Hintergründe und Leidensgeschichten, von immer mehr Fehlentscheidungen hören.

Aber das motiviert uns eher.

Wenn wir merken würden, Lea bekommt ein Problem damit, würden wir aufhören. Aber sie genießt es, große Schwester zu sein. Ihre Geschichte ist halt auch: Da ist eine Mama krank und die hat keinen Papa und keine Tante und deswegen übernehmen wir das Baby. Das ist immer die gleiche Geschichte und die nimmt sie super an.

Ein Mal musste ich aufpassen, da war ich richtig krank mit Grippe und da hat sie geweint und gesagt zu Lara, “wenn du jetzt krank wirst muss ich auch in eine andere Familie.”

Zwillinge als Pflegeeltern

Für sie ist es ein Spiel, da ist keine Dramatik dahinter. Sie verkraftet es viel besser als wir, wenn die Kinder gehen, aber sie kennt auch die Hintergründe nicht.

Wir hatten bisher 7 Kinder. Am Längsten blieb ein kleines Mädchen bei uns, das war etwa 4 Monate da. Was es schwer macht ist, dass das Kind sich natürlich an uns bindet. Das ist ganz, ganz schlimm. Die verstehen ja die Welt nicht mehr.

Eine Trennung ist auch ein neuer Anfang- im besten Fall

Frau Kakao: Macht euch das auf Dauer nicht unglaublich traurig, immer wieder Kinder abgeben zu müssen, die ihr ins Herz geschlossen habt?

Lara: Das ist schwer. Aber immer auch situationsabhängig. Man weiß es ja von Anfang an. Man hat dadurch keine „Bindung auf Distanz“ aber man ist darauf vorbereitet.

Man ist ein paar Tage traurig oder melancholisch, je nachdem, wie es endet. Aber wir wissen, bald gibt es ein neues Kind, das deine Hilfe braucht. Damit trösten wir uns.


Wirklich schlimm ist es, wenn die Kinder in eine ungewisse Zukunft gehen und man sie mit einem ganz schlechten Bauchgefühl ziehen lassen muss.

Wie bei den Kindern, von denen ich vorhin erzählt habe. Man gibt wirklich wochenlang alles für diese Kinder aber am Ende war es ganz schlimm. Gegen unseren Rat hat man eine Rückführung gemacht. Wir haben alles versucht.

Schön hingegen ist es wenn die Kinder Pflegeeltern finden. Und man trifft die und fühlt: das passt.

Das Kind fühlt sich wohl und die Pflegeeltern haben Jahre auf dieses eine Kind gewartet und man weiß, alles wird gut.

Das Kind hat seine “für immer Familie” gefunden.

Das ist unbeschreiblich.

Etwas von uns bleibt für immer

Frau Kakao: Habt ihr manchmal das Gefühl, eure Mühen sind vergeblich? Weil die Kinder schon zu viel erlebt haben oder eine ungewisse Zukunft vor sich haben?

Nina: Es ist Entwicklungspsychologisch bestätigt, dass das Bindungsverhalten, was Kinder in den ersten sechs Monaten lernen für immer bleibt.

Egal was danach kommt, nichts was wir hier tun, ist sinnlos.

Die Kinder speichern die Liebe und das Bindungsverhalten im Gehirn. Das wird für immer verankert und darauf können sie ein Leben lang zurückgreifen.

ENDE

Vielen lieben Dank für das tolle Interview, das mich persönlich sehr bewegt hat und noch lange nachhallt. Lara und Nina findet ihr auch auf Instagram unter @the.twinteam.

Ich hoffe, der aktuelle Beitrag hat euch gefallen. Wie immer freue ich mich über Feedback, Kommentare und Anregungen. Falls ihr keinen Blogbeitrag verpassen möchtet, freue ich mich ebenfalls, wenn ihr mir auf Instagram folgen möchtet. Unter @frau.kakao.macht.tv sage ich euch immer rechtzeitig Bescheid, wenn wieder ein neuer Blogpost online ist.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag und Chiao Kakao!



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