Anhalten. Entschleunigen. Auszeit nehmen. (M)ein Wochenende im buddhistischen Kloster

Anhalten. Entschleunigen. Auszeit nehmen. (M)ein Wochenende im buddhistischen Kloster

[Werbung wegen Verlinkung/ Reise selbst bezahlt]

 

Was? Du willst ins Kloster? Zunächst einmal: Ich bin nicht religiös. Kein bisschen. Warum also dann ins Kloster? Nun, ich interessiere mich sehr für andere Kulturen und Religionen. Und auch alternative Heilmethoden schließe ich nicht von vorne herein als Humbug aus. Unsere Mini-Auszeit im Kloster, war eigentlich eine spontane Idee.

“Lass uns einfach Mal raus hier. Raus aus dem Alltag. Einfach Mal zur Ruhe kommen. Eine Auszeit nehmen.”

So in etwa hörte sich das Gespräch zwischen meiner Freundin Joanna und mir vor ein paar Wochen an. Wir redeten über uns und unseren Alltag und darüber, wie wertvoll manchmal kleine Auszeiten sind. Ohne Ablenkungen, ohne Haushalt ohne “eigentlich müsste ich jetzt”. Doch wohin? Wer kann sich schon regelmäßig teure Wellnesswochenenden leisten? “Och, ich brauche eigentlich keinen großen Luxus. Ich will einfach mal runterkommen.”, sagte meine Freundin.

Da waren wir uns absolut einig. Nach ein bisschen Recherche und mehreren Empfehlungen von Freunden, fiel uns ein Kloster ins Auge. Ein buddhistisches Kloster mit Namen “Buddhas Weg“. Es liegt versteckt, mitten im Odenwald, nur etwa eine Stunde Fahrtzeit von unserem Zuhause entfernt, und bietet die Möglichkeit in den Klosteralltag hinein zu schnuppern. Oder einfach mal komplett abzuschalten.

Anhalten. Entschleunigen. Kraft schöpfen.

Damit wirbt das Kloster auf seiner Webseite. War das auch was für uns? Wir waren neugierig. Also buchten wir ein Wochenende im Kloster.

 

 

Hier also mein persönlicher, nicht gesponserter, Erfahrungsbericht:

Anreise Freitag Nachmittag. Ich musste vormittags noch arbeiten, also fuhren wir relativ spät erst los. Anschließend haben wir uns wegen einer Baustelle noch gründlich verfahren. Ihr könnt euch vorstellen, wie gestresst wir dort ankamen. Laut schnaubend, mit Kopfschmerzen und müde.

Doch sobald man das Kloster, insbesondere den Klostergarten betritt, herrscht dort eine ganz besondere Atmosphäre. Überall hängen bunte buddhistische Gebetsfähnchen (diese tragen, nach buddhistischer Überzeugung, die darauf geschriebenen Gebete dem Himmel zu). Überall stehen große und kleine Buddhastatuen, es gibt einen Zen-Garten mit zahlreichen Stein-Türmchen. Es begegnen einem traditionell gekleidete Nonnen und Mönche.

Es ist, als betritt man eine andere Welt. Man muss sich nur darauf einlassen.

Wir merkten schnell, wie der Stress von uns abfiel. Die ruhige, friedliche Stimmung steckt einfach an. .

Das Kloster bietet verschiedene Programme, Seminare und Kurse an. Man kann aber auch nur Übernachtung und Verpflegung buchen, so wie wir. Wir hatten zwei Übernachtungen inklusive vegetarischer Vollpension, die ich auch nur empfehlen kann. Wir bekamen also erst mal ein vegetarisches Abend-Buffet. Das Essen war phantastisch!

Obwohl ich bisher nicht  vegetarisch lebe, hat mir nichts gefehlt. Es gab eine große Auswahl an lecker zubereiteten Gerichten. Ich habe noch nie so lecker zubereitetes Tofu gegessen. Allerdings erinnert das “Flair” der Kantine eher an eine Jugendherberge oder ein Krankenhaus. Doch wer darüber hinwegsehen kann, wird mit ausgewogenem und frischem Essen belohnt.

 

Die Abläufe

Bereits morgens um 5:30 Uhr findet die erste Meditation statt. Wer möchte, kann gerne daran teilnehmen. Muss aber nicht.

Gemeinsames Frühstück beginnt um 8:00 mit einer 10 minütigen Schweigephase. Wer daran nicht teilnehmen möchte, wird einfach gebeten zehn Minuten später zu kommen.

Mittagessen beginnt um 12:00 Uhr, ebenfalls mit schweigen.

Bewusst essen, dankbar sein für die Lebensmittel- durch die vorausgegangenen Schweigeminuten nehmen wir das in diesen Tagen viel bewusster wahr. Kleine Dinge mit großer Wirkung. Und das werden wir in den nächsten Tagen noch öfter feststellen.

Über den Tag verteilt gibt es verschiedene Angebote: Meditationen, Chigong, gelegentlich Yoga. Hinter dem Kloster liegt ein Wald, in dem wir täglich spazieren gegangen sind. Wer möchte kann auch am täglichen Klosterablauf teilnehmen und mithelfen. Neben den freien Angeboten, gibt es auch Akkupunktur und Massagen. Diese sind jedoch kostenpflichtig.

 

Was bringt eine Mini-Auszeit im Kloster?

Dazu muss man erst Mal die Frage stellen: Was erwartet man?

Wer komfortable Zimmer, eine ästhetische, moderne Unterkunft und Animationsprogramm erwartet, ist hier sicher falsch. Alles ist recht schlicht gehalten.

Es gibt auf den Zimmern weder Fernseher noch Radio. Das Ziel ist schließlich, abzuschalten. Zu neudeutsch “Digital-Detox.”

Und genau mit diesem Punkt hatte ich persönlich meine größten Schwierigkeiten. Wobei es ja hier auch Interpretationsspielraum gibt. Die Dosis macht das Gift. In kleinen Dosen, sind viele Gifte ja auch nicht zwangsläufig schädlich. (Und leugnen zeigt nur, wie groß die Sucht tatsächlich ist. Erwischt.)

Darum jetzt einfach Klartext: Das Handy ganz aus der Hand zu legen, ist mir nicht gelungen. Zumindest Morgens kurz und ein paar Minuten Abends habe ich Fotos gemacht und kurz in sozialen Netzwerken gestöbert. Doch 15 Minuten im Gegensatz zu fast zwei Stunden oder mehr täglich, die ich sonst das Handy in der Hand hatte, machten schon einen riesen Unterschied.

Wer das Handy nur wenige Minuten am Tag in die Hand nimmt, überlegt plötzlich auch viel bewusster, was er sich anschaut. Wem er seine kostbare Zeit schenkt.

Das hat mich definitiv zum Nachdenken gebracht. Ein Aha-Moment, der mich auch nachhaltig noch beeinflusst.

 

Was ich auch in Zukunft definitiv öfter machen sollte: Einfach mal nichts tun!

Wer das schon mal versucht hat weiß, wie schwer das sein kann. Alles um sich herum bewusst erleben. Nicht an die To-Do-Liste im Kopf denken. Selbst Freizeit ist manchmal Stress, weil man ständig das Gefühl hat die kostbare zeit doch “sinnvoll nutzen” zu müssen. Mit dem Resultat, ständig eine innere Unruhe zu spüren.

Ich muss sagen, im Kloster ist es mir endlich gelungen, einen Gang runter fahren. Weil das Tempo dort einfach ein anderes ist. Auch weil man gar nicht die Möglichkeit hat, sich ständig abzulenken: Das W-Lan ist grottig und die Telefonverbindung schlecht. Fernseher gibt es nicht. Und das ist auch gut so. Manchmal muss man einfach zu seinem Glück gezwungen werden.

 

Für wen ist dieses Angebot geeignet?

Viele Menschen, die Ruhe und Antworten in diesem Kloster suchen sind stressgeplagt. Viele haben Traumata erlebt, Burnouts oder sind anderweitig irgendwie blockiert. Viele besuchen ganze Zen-Seminare, die sich über mehrere Tage hinziehen, andere genießen nur die besondere Atmosphäre und die Stille. Wer offen für Neues ist und nicht mit einer Erwartungshaltung hinfährt, könnte positiv überrascht werden. Auch Familien mit Kindern waren dort und wurden herzlich aufgenommen. Wer jedoch einen Wellness-Urlaub erwartet oder einen gewissen Komfort braucht, wird vermutlich eher enttäuscht.

Das Klosterangebot richtet sich aber keinesfalls nur an “Fortgeschrittene”, bzw. erfahrene Buddhisten. Moslems, Christen, Juden. Alle sind hier herzlich willkommen.

Der Mensch steht hier im Vordergrund, nicht Herkunft oder Religion.

Und so waren auch die Klostermitarbeiter und- Besucher bunt gemischt

Ich hatte so gut wie keine Ahnung von Buddhismus, konnte aber dennoch einiges für mich mitnehmen. Lediglich die Meditation ohne Anleitung war nicht so ganz mein Fall. Alleine gelang es mir nicht, in die Meditation hineinzufinden. In dieser halben Stunde habe ich mir tatsächlich mein Handy besonders herbeigewünscht, wenn ihr versteht, was ich meine. Es gibt aber wohl auch angeleitete Meditationen, allerdings nicht zu dem Zeitpunkt als wir da waren.

 

Was hat mich überrascht?

Chigong (auch Quigong geschrieben) war für mich bisher eher “Frühgymnastik für Senioren”. Doch schon nach der ersten Chigong-Stunde fühlte ich mich wie in Watte gepackt. Leicht und gleichzeitig total erschöpft. Und auch an Tag zwei musste ich danach erst Mal Mittagsschlaf halten. Ich war völlig erstaunt und überrascht, denn eigentlich bin ich sportlich, wenn auch nicht übermäßig.

Während einer Massage im Kloster lernte ich dann, ganz nebenbei, so einiges über das “Chi”. Ein Masseur beeindruckte mich besonders. Mit über 15 Jahren Erfahrung und einem sehr breiten Wissen. So erfuhr ich, während einer ganz tollen Massage, dass nach dem Verständnis der traditionellen chinesischen Therapie, Erkrankungen dann entstehen, wenn das Chi, also die Lebensenergie, blockiert oder nicht harmonisch ist. Chigong hilft, den Fluss dieser Lebensenergie wieder anzuregen. Klingt total esoterisch- hat aber zumindest bei mir absolut Wirkung gezeigt. Und zwar bevor ich davon wusste. Alle Verspannungen, auch die tief sitzenden, waren wie weggeblasen.

 

Fazit eines Wochenendes im Kloster

Einfach mal nichts tun. Gar nicht so einfach.

Einfach den ganzen Tag in Schlabberklamotten und ohne Make-Up herumlaufen. Sollte man viel öfter machen.

Einfach mal offen sein und positiv überraschen lassen. Das sind die nachhaltigsten Aha-Momente.

Einfach mal was Neues probieren. Auf jeden Fall.

 

 

 

 



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