Im eigenen Leben herrscht Anwesenheitspflicht

Im eigenen Leben herrscht Anwesenheitspflicht

Von der unbedingten Anwesenheitspflicht im eigenen Leben.
Diesen Satz habe ich aus einem Buch aufgeschnappt, das ich gerade lese („Was man von hier aus sehen kann“). Der Satz ist hängen geblieben.

Bin ich tatsächlich anwesend? Immer? So richtig, mit vollem Herzen und ganzer Konzentration? Seid Ihr es? Oder sind wir manchmal nicht in Gedanken längst woanders? Zu sehr im Morgen. Auf etwas hinarbeiten, das uns später zufrieden machen soll. Im DU oder im DIE ANDEREN. Was die wohl gerade machen? Schnell mal eben nachschauen auf verschiedensten Kanälen. Im Gestern. Wo alles viel unkomplizierter, spontaner war. Aber waren wir da zufriedener? Oder haben wir da nicht auch bereits an das Morgen gedacht? Wie es wohl sein würde. Wie unsere Zukunft wohl wäre und was wir uns für sie wünschen.

Und nun? Sitze ich mittendrin. Im Morgen von gestern. Ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe?

Ja. Und auch wieder nicht. Denn man kann sein Leben nun mal nicht vorzeichnen wie ein Schnittmuster. Hier und da kneift es immer. Aber es soll ja nicht nur schön aussehen, von außen betrachtet, das Leben. Wie ein Korsett, das alles in Form rückt.

Ich muss auch atmen können.
Genießen.

Also einfach mal anhalten. Und horchen: Bin das ich? Ist es das, was ich will? Und wenn ich diese Fragen nicht eindeutg mit „ja“ beantworten kann, versuche ich zu drehen an den kleinen Rädchen, die mein Leben antreiben. Bis es passt. Bis die Zahnräder ineinander greifen.

Denn die Uhr tickt. Ich kann zwar nicht beeinflussen, wie lange. Aber ich möchte mitbestimmen, wie sie klingt, wie laut, welche Wirkung sie auf mich hat. Weil ich es kann.

Ich kann beschließen, positiv auf mein Leben zu schauen und wohlwollend auf das der Anderen. Nenne es Karma, nenne es Liebe. Eigenliebe und Liebe für das Schöne. Gefühl und Mitgefühl. Oder nenne es einfach:

Ich habe keine Zeit für Negatives in meinem Leben.  Punkt. 

Und Ihr solltet es auch nicht. Es wird immer wieder Rückschläge geben, denn so ist es nun mal, das Leben. Manchmal ist es auch richtig hässlich.

Online sogar ausgesprochen oft. Der nächste Shitstorm wartet bereits um die Ecke. Dann, wenn das gezeigte Lebensmodell in keine Schublade passt. Oder in die „falsche“. Dann, wenn zu viele Emotionen gezeigt werden oder zu wenig. Wenn Werbung das eigene unschuldige Bild von der ehemals werbefreien Plattform stört. Oder der Blog nicht professionell genug erscheint. Wenn die Zähne des Insta-Nachwuchses nicht perfekt genug sind. Lächerlich? Das sind alles Beispiele der letzten zwei Wochen alleine der Profile aus meinem Feed.

Die Liste ist endlos.

Und absolut unwichtig.

Es ist nicht unser Leben. Nur ein kleiner Ausschnitt. Und doch kann es verletzen oder verunsichern. Uns kurzzeitig ins Straucheln bringen.

Ich habe erst kürzlich einen tollen Ratschlag bekommen, von einer meiner absoluten Lieblingsbloggerinnen, der „Massa“ (Ihren Blog findet Ihr hier):

„Schreib Dir selbst einen Brief. Und schreib‘ darin, für wen und warum Du bloggst. Und immer wenn etwas passiert, das dir Nahe geht, dann liest Du diesen Brief.“

Und diesen Rat finde ich so schön, dass ich ihn nicht nur auf’s Bloggen anwenden möchte: Wie möchtest Du leben? Wer möchtest Du sein? Schreib es auf. Und immer mal wieder liest Du diesen Brief und gleichst ihn ab mit deinem Leben. Bist Du angekommen? Bist Du zufrieden? Oder „gibst Du Dich nur zufrieden“? Ein kleiner aber feiner Unterschied. Ich fange gleich an zu schreiben. Jetzt. Nicht morgen. Jetzt.

Denn „Glücklich sein“ liegt auch mit in unserer Hand. In meiner. Es beginnt mit einem Innerhalten und endet mit einem Lächeln. Oder einem Schokoladenkuchen.

Jedenfalls mit einem warmen Gefühl im Magen.

Foto: Francesca Franzke



2 thoughts on “Im eigenen Leben herrscht Anwesenheitspflicht”

  • Du hast so recht ! Jeder soll sein Leben leben, so wie er mag. Und solange er andere damit nicht beeinträchtigt. Wem das nicht passt, der soll weg gucken und vor allem still sein. Böse Kommentare sind nicht willkommen ! Maximal dezente Hinweise, wenn wir vielleicht doch einmal über die Stränge schlagen. Deshalb mag ich Insta so sehr: wenn mir jemand blöd kommen sollte, dann kann ich ihn blockieren. Selbst schuld, wenn er oder sie nicht mehr an meinem Leben teilhaben darf.

    Ein Freund von mir schreibt jetzt neuerdings auch einen Blog. Erst ganz heimlich, nicht einmal seine Frau wusste davon. Letzte Woche zum Thema:“Die narzisstische Generation – Wie Facebook unsere Eltern ersetzte.“ Unbedingt empfehlenswert: Praxis Dr. Wassmuth.

    Ganz liebe Grüße, Sabine

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